by Kaiya // 13. Mai 2017

An meinen Füßen klebt mein eigenes Blut. Das hört sich weitaus dramatischer an, als es wirklich ist. Vorallem wenn man bedenkt, dass ich gerade meine Tage habe. Aber normalerweise passiert es mir nicht, dass ich beim ausleeren meiner Menstruationstasse meine Füße bekleckere. Nein. Normalerweise bin ich ziemlich treffsicher und alles geht ganz nach Plan ins Klo.

Aber dort, wo ich jetzt gerade bin, ist kein Klo. Zumindestens kein Klo aus Porzellan.

Um mich herum ist alles grün. Ich sitze mitten in einem Meer aus Kamillen, hör die Kamikazen hinter mir aus der Ferne zirrzen und mein Zelt bekommt von einem kleinen schnuckeligen Olivenbaum Schutz für die Nacht.

Es ist ein komischer Anblick auf meiner knall blauen Yogamatte zu sitzen und vor mir das aufgeklappte MacBook Air zu sehen. Irgendwas beißt sich da gewaltig im Bild.
Und ich hatte auch schon einige Anfälle heute, als ich nach Luft hechelnd, mich und mein Gepäck den Berg hochgehievt habe und mich dabei verflucht habe, warum ich doch das olle Ding mitgeschleppt habe.

Jetzt sitz ich hier und tippe vor mich hin und bin wie immer doch ganz froh, ihn mit dabei zu haben. Ich kann mehr festhalten, Gedanken ausführlicher beschreiben und trotzdem fällt es manchmal an meiner gewohnten Tiefe, die in meinem Tagebuch zu finden ist, wenn ich von Hand schreibe.

Es scheint mir, dass wenn ich mit dem Stift so ganz old school auf Papier schreibe, ich zwar weniger schreibe, dennoch die Essenz von meinem Gefühlsleben ziemlich gut auf den Punkt bringen kann.

Was ich beim schreiben mit dem Laptop nicht so sehr behaupten kann. Hier schwaffel ich gerne mal stundenlang um den heißen Brei herum, bis ich endlich zur Sache komme.

So wie jetzt zum Beispiel. Schon fast eine Seite getippt und immernoch kein Funken darüber, wie es in mir ausschaut.

Ich bin gerade am Gardasee. Alleine. Mit Fahrrad und Zelt.
Warum genau, weiß ich noch nicht. Das wird sich die nächsten Tage aber sicherlich finden.

Alles, was ich derzeit weiß, ist, dass mich der Süden gerufen hat. Mich hat seit Wochen ein Bild von Felswänden und irgendeinem südländischem Land verfolgt. Erst dachte ich, es sei Kroatien. Und war auch schon kurz davor mich auf den Weg zu machen. Aber die Planung war schwerfällig. Nichts hat so wirklich gepasst und es hätte sich nach einem zu großen Energieaufwand angefühlt.

Und dann kam der Gardasee. 15 Stunden mit dem Flixbus von Berlin aus. Fahrrad kommt hinten drauf. Ticket noch verfügbar. Gebucht.

Ich liebe solche Entscheidungen. Es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn sich etwas so unglaublich leicht anfühlt. Dann fühlt es sich immer ein Stück weit so an, als ob mein Leben gerade genau dorthin fließen möchte.

Dorthin, wo ganz viel Weite und Raum ist, zum entfalten.

Seit meiner Abfahrt in Berlin sind über 24 Stunden vergangen. In dieser Zeit bin ich einmal komplett durchnässt worden vom Unwetter, hab einmal die Fahrt umbuchen müssen, hab den ersten Kaffe (decaf) hinter mir und bin so lange Fahrrad gefahren, bis mein Hintern nicht mehr mitmachen wollte.

Ich war frustriert. wütend. sauer, geladen und müde.

Frustriert, weil mein unterer Rücken mich gekillt hat. Ich dauernd Pause machen musste und aber doch gar nicht wollte.

Wütend, weil es hier doch lauter und stressiger ist als erwartet und ich immernoch nicht ganz ganz GANZ in der Natur bin. Genau da, wo die Stille ist. Da will ich hin. Jetzt sofort. Nicht morgen oder übermorgen erst.

Müde. Naja. Flixbus Nachfahrt halt. Kann man sich denken, dass da nix mit gutem erholsamen Schlaf ist.

Aber immerhin: Eine Erkenntniss hab ich schon gesammelt. Und diese Erkenntnis war gleich sogar so gut, dass ich sie mir zu meinem Reisethema der nächsten Tage gemacht habe.

Und zwar hat mir mein Leben unmissverständlich zu verstanden gegeben, worum es auf dieser Reise geht:

Nämlich Langsamkeit.

Wie das?

Es gab genau ein Buch, was ich unbedingt mit auf die Reise nehmen wollte: Slow Sex von Diana Richardson.

Als ich dann die ersten Zeilen lese, dankt die Autorin Marc David, ein Pionier der Slow Food Bewegung, mit dessen Arbeit ich sehr vertraut bin.

Es geht weniger darum, was man isst, sondern wie, um die bestmögliche Nahrung aus deinem Essen zu ziehen.

Wie im Sinne von langsam essen, achtsam essen, bewusstes kauen etc.

Auf jeden Fall hat mich sowohl seine Arbeit, als auch die Arbeit von Diana Richardson schon dermaßen in meinem Leben bereichert und inspieriert, dass ich erstmal einen kleinen Freudenhüpfer gemacht habe, dass diese beiden Themen sich heute so klar gezeigt und vereint haben.

Essen und Sex.

Meine derzeit größten Leidenschaften.
Nicht nur die eigentliche Aktitvität. Vielmehr gehe ich gerade (um genau zu sein, seit 3 Jahren) der Frage hinterher: Was nährt uns wirklich?

Wann fühlen wir uns gesättigt und genährt auf allen drei Ebene, Körper, Geist und Seele?

Was sind die verschiedensten Bedürfnisse der Seele, des Geistes und des Körpers?

Und kommt es nicht doch immer unterm Strich auf das Bedürfniss nach Verbindung drauf zurück?

Ich glaube schon.

Ich weiß nur, dass in mir alles nach Verbindung geschrien hat. Und ich deswegen raus aus der Stadt wollte.
Wenn ich nicht in guter Verbindung zu mir selbst bin, fühle ich mich abgestumpft. Dann kann noch so viel schönes im außen passieren, aber alles, was passiert, berührt mich nicht. Es kommt nichts an in meiner Seele. Sobald ich den Zugang zu mir verliere, fallen die Tore zu meiner Seele und meinem Herzen auch zu. Ich werde kalt. Schleichend und langsam, immer kälter. Werde steif, versuche zu lenken, Kontrolle über das Leben auszuüben.

Und nichts davon funktioniert.

Schon vor einiger Zeit, hab ich erkannt, dass es nichts wichtigeres gibt, als diese Verbindung zu mir zu beschützen. Ja, sie wirklich zu umkämpfen. Mich für sie einzusetzen. Radikale Grenzen zu setzen, wenn ich merke, dass ich mich in etwas reinbegebe, dass die Verbindung zu mir schwächen könnte.

Aber auch, wenn ich das schon weiß – an der Umsetzung hapert es immer wieder.

Und so waren die letzten Wochen geprägt von einem aus mir rausgehen und immer wieder neu Heimat in mir finden.

Mich zu verlieren und wieder zu finden.
Heimkehr.

Ich lerne, die Zeiten des mich verlierens zu schätzen. Weil nichts ist schöner, als das Gefühl wieder ganz bei mir anzukommen. Und würde ich mich nicht ab und an aus den Augen verlieren, würde ich mich selbst eines wunderbaren und erfüllendem Gefühl berauben.

_____

Ich bin dankbar hier zu sein. Mittlerweile ist es um mich herum nicht mehr grün, sondern dunkel. Die Hälfte des Mondes, die ich noch vor 10 Minuten sehen konnte, ist hinter einer Wolkendecke verschwunden und der Tag neigt sich dem Ende zu.

Auch ich bin müde. Allerdings könnte ich nochmal auf’s Klo gehen, gäbe es da nicht ein Problem:

Ich hab kein Klopapier.

Kaiya Morris

He du! Ich bin Kaiya. Schriftstellerin, manchmal Poetry Slammerin, niedergelassene Weltenbummlerin, Ernährungsberaterin (i. A.), Online Business Mama von diesem Baby hier, Coach und so viel mehr. Alles was ich tue, dient einem Grund: Dich dabei zu unterstützen, wieder zurück zu deinem wahren Selbst zu finden. Ich freu mich, wenn du Teil meiner SISTERHOOD Community wirst.

Bist du bereit für unedititerte Wahrheiten und #therealshit?

Falls ja, dann lese exklusive Texte von mir, die nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt sind.

Ja! Ich bin bereit.

DAS KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN:

.
2017-07-18T18:46:08+00:00
%d Bloggern gefällt das: