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Emotionale Heilung. Was genau ist das eigentlich? Und was hat dein persönlicher Heilungsweg mit den Nazis zu tun, die derzeit mit Fackeln in Amerika marschieren?

Ich gebe euch ein Beispiel und Auszug eines Textes, der letzte Woche entstanden ist, anhand dem ich es erklären möchte:

„Heirate ihn, Kind.
dann bist du wenigstens abgesichert.
Hin und wieder musst du zwar die Beine breit machen,
aber hauptsache du bist abgesichert.“

Dieser Satz und die Botschaft, die er enthält, wird seit Jahren von einer Generation an die nächste weitergegeben. Meine Ur-Oma hat ihn an meine Oma weitergegeben und meine Mutter hat ihn dann von meiner Oma gehört. Es ist einer der vielen Sätze, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, solange bis ein Individuum kommt und sagt: „Stopp. Ich mach das nicht mehr mit. Ich steige aus und nehm diese Sätze und der Schmerz, der darin gespeichert ist, nicht mehr in mir auf.“

Oder lass es mich anders formulieren: 

Wir nehmen sie in uns auf, aber spüren das lodernde Feuer in uns und die Bereitschaft diese Sätze und den darin gespeicherten Schmerz zu transfomieren und nicht mehr an unsere Kinder/Nachkommen weiterzugeben.

Als Kinder und heranwachsende Menschen haben wir keine andere Wahl, als ein Teil der Realität unserer Eltern zu übernehmen. Wir sehen die Welt durch die Augen unsere Väter und Mütter. Solange bis wir den Absprung schaffen und anfangen unsere eigenen Gedanken und Meinungen zu formen. Solange bis wir auf unseren eigenen Füßen stehen und anfangen unser eigenens Leben und eine damit einhergehende Realität zu erschaffen. Aus einer Einheit aus Mutter/Vater und Kind werden zwei. Und doch gab es diese lange Zeit der Einheit, in der wir eng miteinander verschlungen waren.

Angenommen ich hätte ein/e Nazi als Vater/Muter gehabt? Was glaubst du, wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein Teil seines/ihres Gedankenguts nachwievor in mir trage?

Jap. Sehr hoch. 

Angenommen mein/e Opa/Oma wäre eine Nazi gewesen? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gedankengut meines Opas in meinem Vater weitergelebt hat und so auch den Weg zu mir gefunden hat?

Jap. Immernoch sehr hoch.

Angenommen mein/e UR-Opa/UR-Oma wäre ein Nazi gewesen? (Jetzt kommen wir bei der Generation an, die mind. schon einen Krieg miterlebt hat)
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch wenn schon 3 Generationen zwischen uns liegen, trotzdem ein Bruchteil des Gedankenguts es geschafft hat, sich auch in mein Bewusstsein zu schleusen, indem es von Ur-Opa/Oma an Oma/Opa an Papa/Mama und schließlich an mich weitergegeben worden ist?

Jap. Du hast es erraten. Immernoch sehr hoch.

GENERATIONSÜBERGREIFENDE HEILUNG

WAS IST DAS FÜR EIN SCHMERZ, DEN DU DA FÜHLST, WENN ES NICHT DEINER IST?

In meinem Umkreis machen sich mehr und mehr Menschen auf den Weg
der emotionalen Heilung. Manche gehen zurück und reisen in frühere Leben, manche gehen aber auch einfach nur in sich und spüren die abgespeicherten Schmerzen, die im Körper immernoch präsent sind.

Sie öffnen sich für einen Schmerz, der manchmal primär nicht ihr eigener ist, sondern von den Generationen vor ihnen kommt.
Ich selbst hab schon öfters die Erfahrung gemacht, einen Schmerz in mir durch eine Bemerkung oder anderes aktiviert zu bekommen und wusste nicht, woher dieser Schmerz kommt, weil ich nie etwas derartiges erlebt habe. Nur um dann kurze Zeit später das Gesicht meiner Oma oder meiner Mutter vor meinem Auge zu sehen und zu verstehen: „Ahh, ich weine gerade nicht mehr nur für mich. Ich weine für meine Mutter, für meine Oma, ja ein Stück weit weine ich für die Welt mit.“

Man kann sich leicht in diesem Weltschmerz verlieren. Und wenn man nicht achtsam ist, dann kann sich Schwere und Dunkelheit über einen legen. Weil alles, was du fühlst, ist, wie verdammt abgefuckt diese Welt ist und was sie schon alles durchmachen musste.

In Zeiten wie diesen, wenn mich der Weltschmerz, aber ja, auch diese unglaubliche Wut packt und ich am liebsten alles und jeden anschreien und wachrütteln würde und mich manchmal der Drang packt, Dinge kaputt zu machen, weil ich nicht weiß, wohin mit der Verzweiflung und der kläffenden Hilflosigkeit in meinem Herzen, die einzig und allein auf der Frage basiert „Was kann ich tun? Was zur Hölle kann ich als kleines Individuum tun, dass dieser Irrsinn endlich aufhört?“, dann muss ich mich wieder zurück zu mir holen und mich an mein Potenzial erinnern, die Welt in kleinen Stücken zu verändern.

Es sind die kleinen Handlungen, denen wir mehr Gewicht geben müssen. Kleine, alltägliche Handlungen der Liebe und des Vertrauens. Es sind die Momente, in denen wir schneller als unser Unterbewusstsein reagieren, das Urteil schon auf den Lippen tragen oder uns der Angst vor unserem Gegenüber bewusst werden und in denen wir uns trotzdem für die Liebe und das Mitgefühl entscheiden.

Diese kleinen Handlungen sind nicht zu unterschätzen. Sie addieren sich. Und verbreiten sich wie im Flug. Und auch wenn uns das manchmal zu wenig scheint, wir gerne mehr machen möchten, dann dürfen wir uns in genau diesen Zeiten der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit an all die Menschen erinnern, die schon lange auf dem Weg sind, die Zyklen des generationenübergreifenden Schmerzes zu durchbrechen und sich davon „rein zu waschen“. Sie sind überall. Auch wenn du sie manchmal nicht siehst und vielleicht denkst, dass der Schmerz der Welt uns die ganze Freude stiehlt und die anderen viel zu viele sind, dann erinnere dich, dass wir, die Heiler und die Heilenden, die Leuchtenden, die Strahlenden, die Herzmenschen – wir sind auch viele. Verdammt viele. Und wir tuen die Arbeit, die nötig ist, um diese Welt zu verändern.

DIE ABWÄRTSSPIRALE DER HILFLOSIGKEIT UND VERZWEIFLUNG

Und trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich meine Ungeduld nicht zügeln kann. Wie ich rastlos werde und anfange umherzuirren und in der Spirale „Es muss doch irgendwas zu tun zu sein. Irgendwas, was diesen ganzen Prozess beschleunigen könnte.“ lande.
Diese Spirale tut mir nicht gut. Sie raubt mir meine Kraft und bringt mich dazu Dinge zu tun, deren ich noch nicht gewachsen bin. Dann versuche ich 1000 Jahre alte Traumata alleine aufzuarbeiten oder sie schneller in meinem Leben hervorzubeschwören, als sie sich zeigen wollen, nur damit ich endlich diese Heilungsarbeit machen kann, in der Hoffnung, dass es dann ein Päckchen weniger zum abarbeiten gibt und das ganze schneller geht.

Es ist ein Handeln, das getrieben von der Hoffnungslosigkeit und der Angst ist, dass diese Welt so bleibt, wie sie ist. Und zwar noch für viele viele Jahre. Und Gott vergib mir, aber meine Lust auf der Welt zu leben, in dem Zustand, in dem sie gerade ist, sinkt in Zeiten wie diesen manchmal ganz schön krass ab.

Genau deshalb ist es so wichtig, uns gegenseitig daran zu erinnern, wieder das Licht und die Liebe einzuladen. Aber hier kommen wir zu einem Punkt, bei dem ich zwiegespalten bin. So dankbar ich den Menschen bin, die spirituellen Aktivismus leben und Licht und Liebe verbreiten, frag ich mich trotzdem ab und an, ob das Medititeren für Frieden der größte Bullshit auf Erden ist oder doch das einzig sinnvolle. Es ist wieder die Stimme der Verzweiflung, die dann mit mir spricht und die sagt: “Das kann doch nicht genug sein. Es muss doch noch mehr zu tun geben.” Und immer wieder frage ich mich, ob der sogenannte „ripple-effect“ wirklich so funktioniert, wie es gesagt wird oder ob es eine naive Einstellung ist, dass das bisschen Bewusstseinserhöhung im Kollektiv wirklich einen Einfluss auf die individuelle Bewusstseinsebene haben soll und vice versa. (Ein ganz großer Teil in mir, glaubt daran ohne Zweifel. Aber die andere Seite gibt es eben auch.)

Spiritueller Aktivismus ist gut und wir brauchen eine neue Form von Aktivismus. Wir brauchen nicht noch mehr Menschen, die gegen etwas ankämpfen und alles tuen, um bloß nicht damit in Kontakt zu kommen. Aber ohne Berührungspunkte und den Mut, dem Rassismus und Sexismus zu begegnen, statt weiterhin einfach wegzugucken, werden wir da auch kein Stück weiter kommen.

SPIRITUELLER AKTIVISMUS = EINE NEUE FORM DES AKTIVISMUS

Ich verbeuge mich vor den Menschen, die ihr Leben dafür gegeben haben, um ihre Stimme für jemand anderes zu erheben.
Ich verbeuge mich vor den Menschen in meinem Leben, die ich kenne, die als Aktivisten den stimmenlosen Wesen ihre Stimme geben, damit sie gehört werden.

Ich verbeuge mich vor all den Menschen, die den Verzicht und die womöglich aufkommende Härte in Kauf nehmen, um diese Arbeit zu leisten.

Aber ich kenne zu viele Aktivisten, die innerlich hart geworden sind. Die sich in meinen Augen zu wenig erlauben, die schönen Seiten des Lebens zu genießen. Die zu viel des Weltschmerz in sich aufnehmen und ihn alleine nicht tragen können. Stattdessen landet er in ihren Körpern und Knochen und staut sich an, weil sie kein Ventil für dies Art von Schmerz in sich finden, weil ein einzelner Körper nun mal auch ein viel zu kleines Gefäß ist, um diese Art von Schmerz zu transformieren.

Was wir also brauchen, ist ein neuer Umgang mit diesem kollektiven Schmerz. Wir brauchen Strukturen, Gruppen, die gemeinsam zu einem Gefäß werden, in dem wir all das aufsammeln, was gerade da draußen passiert, ohne das ein Individuum zu viel tragen muss und davon erdrückt wird.

Ich glaube, es gibt eine Form von Aktivismus, die diese Schwere nicht mit sich bringt. Die in Form von Humor und Leichtigkeit auftaucht, in Kunst und Theater.

Wenn wir durch die Straßen laufen und demonstrieren, dann sieht das nicht sehr viel anders aus, als die Nazis, die mit Fackeln durch die Straßen laufen. Es ist das gleiche Bild, fast schon eine ähnliche Stimmungslage, die von Wut und Hass auf die anderen getrieben ist.

Aber wer beim G20 vielleicht auch die Videos gesehen hat, wie inspirierend die Aktion der „1000 grauen Gestalten“ war, der weiß vielleicht, was ich hiermit meine:

Lasst uns nicht marschieren, lasst uns tanzen.
Lasst uns nicht rezitieren, lasst uns singen.

Wenn wir tanzen, dann wird etwas in uns lebendig, dass nicht lebendig wird, wenn wir einfach nur durch die Straßen laufen und Phrasen wiederholen, die nicht aus den Tiefen unserer Herzen kommen. Wenn wir tanzen, kommt unsere Lebensenergie wieder ins fließen. Wir werden wach, wir werden lebendig. Wir spüren den Puls des Lebens wieder in uns. Wir kommen in Kontakt mit dem Funken und dem Licht in uns, und genau dieser Funken, ist der, der so ansteckend wirkt. Wenn wir ganz im Kontakt mit unserem Lebenskern sind, dann fangen wir an, andere Leute mitzunehmen. Wir wecken eine Sehnsucht in dem anderen. Wenn ich mit strahlenden Augen durch die Straßen laufe, ganz bei mir bin und verbunden mit meinem tiefsten und wahren Selbst bin, dann strahle ich etwas aus, dass andere Leute auch haben wollen. Es sind die Zeiten, in denen ich merke, dass Menschen gerne um mich herum sind. Ich wie ein Magnet wirke und Anziehungskraft versprühe. Wenn ich wach bin, dann hab ich das Potenzial andere aufzuwecken und ihre Sehnsucht nach Leben zu wecken. Und meist sind es die Menschen, die derzeit in der Dunkelheit stecken, deren Sehnsucht nach Licht am größten ist.

WARUM WIR NICHT VERGESSEN DÜRFEN, DAS LEBEN ZU FEIERN

Lasst uns öfters gemeinsam daran erinnern, dass es an der Zeit ist unsere Lieder zu singen.
Dass das Leben zu genießen nichts egoistisches ist und in schweren Zeiten wie diesen, tanzen mehr als angebracht. Lasst uns gegenseitig öfters daran erinnern, wie heilig unsere Leben sind, an die Privilegien, die wir in diesem Leben genießen, an das göttliche Geschenk, das es ist und uns erlauben aus dem tiefsten unserer Herzen zu FEIERN.

Jawohl, ihr hört mich. Zu FEIERN. Weil auch, wenn wir die letzten 12 monate auf der politischen Ebene immer wieder gefühlt eine Realitätsklatsche nach der anderen bekommen haben, dürfen wir darüber hinweg nicht vergessen, dass das auch nur ein Teil der Wahrheit ist. Weil da draußen gibt es einen rießig großen Teil an Menschen, die gerade dabei sind aufzuwachen und sich für unsere Welt einsetzen. Und das ist ein Grund zum feiern. Ein großer Grund zum feiern.

Ich möchte uns einladen, uns wieder mit uns selbst zu verbinden, unsere Augen nicht mehr länger vor dem Weltschmerz zu verschließen, aber ebenso unsere Augen auch nicht mehr länger vor all der Schönheit und Liebe in unserer Welt zu verschließen. Da ist so viel Schönheit. So unfassbar viel Schönheit in unserer Welt. Lasst uns sie sehen. In ihrer vollen Größe und Fülle. Lasst uns von diesem Nektar der Schönheit trinken und uns Kraft geben lassen. Nur so können wir uns dem Schmerz und der Dunkelheit widmen und uns an die Arbeit machen, ohne daran zu zerbrechen.

In Liebe und Dankbarkeit, dass du hierher gefunden hast

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P.s.: Wie gehst du mit dem Gefühl der Verzweiflung und Hilflosigkeit um, wenn die Nachrichten mal wieder vermitteln, dass die Welt gerade droht auseinader zu fallen? Was ging dir während dem Lesen durch den Kopf? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Ich freu mich von dir zu hören und einen Einblick zu bekommen.

Kaiya

He du! Ich bin Kaiya. Ich beschäftige mich seit Jahren mit meinem eigenen spirituellen und sexuellen Wachstum und Heilungsweg. Mein größter Wunsch ist es, dich dabei zu unterstützen, wie du dir ein Leben aufbauen kannst, das dich auf allen Ebenen nährt und sättigt. Ich freu mich, wenn du Teil meiner SISTERHOOD Community wirst.

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2017-09-25T06:51:44+00:00
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