Übers Dick werden, Bäuchlein streicheln und dich selbst anzunehmen

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Ich behandele meinen Körper gerade wie Dreck. Ich achte nicht auf mein lautes Bauchgrummeln. Esse wieder viel zu viel und höre nicht auf das eindeutige „Hey du. Ich bin schon längst voll. Hör endlich auf so unendlich viele Mengen an Essen in mich zu stopfen.“

Und das schlimmste dabei ist: ICH BIN MIR DESSEN BEWUSST.

Kennst du das?

Wenn du ganz genau weißt, dass du deinem Körper gerade nichts gutes tust? Du weit entfernt bist, ihn wie ein Tempel zu behandeln und was verändern willst, aber  was passiert .. nichts. Nada.

Ich weiß, wie ich mich gesund ernähre. Und ich weiß auch, was gut für meinen Körper ist. Auch ist da eine ganz laute Stimme, die mir dringends empfehlt wieder ausschließlich roh zu essen. Und ich auch weiß, dass es mir dadurch besser gehen wird.

Ich wieder aufhören würde mich vor den Spigel zu stellen und dabei zuzusehen, wie ich langsam dicker werde. Meinen Bauch abtaste, um sicherzustellen, dass ich ja noch nicht zugenommen habe und dann aber doch resigniert mir einzugestehen, dass mein Bauch sehr wohl ein bisschen dicker und ründlicher geworden ist.

Aber trotz all dem bekomm ich die Kurve einfach nicht hin zurück zu einer veganen rohköstlichen Ernährung und stopfe froh munter weiter Weizen und gekochte Pampe in mich rein.

Warum ich darüber schreibe?

Weiß ich auch nicht so ganz. Vielleicht möchte ich es einfach gerne los werden. Es aussprechen. Um mir noch bewusster darüber zu werden und schneller ins Handeln zu kommen.

Vielleicht möchte ich euch aber auch an der anderen Seite in mir teilhaben lassen. Die, die ich erst seit kurzem entdeckt habe und die ich nicht mehr missen möchte.

Der ewige Kampf

In mir ist es manchmal recht stürmig. Vor allem dank der einen Stimme in meinem Kopf, die sagt: “Iss wieder gesünder.” Und der anderen Stimme, die von einem Teil von mir kommt, der super süchtig nach gekochtem Essen ist und dauernd schreit: “Ich will aber was warmes und was gemütliches. Und Süßkartoffeln.”

Was mir aber besonders am Herzen liegt, ist zu sagen, dass es okay ist.
Nicht nur für mich. Sondern für alle, die gerade dabei sind ihre Ernährung umzustellen. Entweder gerade ihre erste große Ernährungsumstellung durchmachen oder wie ich zum zweiten, dritten oder vierten mal anfangen wieder mehr auf ihre guten Vorsätze zu hören.

Letzten Sommer hab ich mich fast ausschließlich von Rohkost ernährt. Sobald es kälter wurde, hat sich mein Körper wieder nach warmen Essen gesehnt.
Und jetzt steh ich hier und denk mir: “Na toll. So wie ich mich gerade ernähre, kann ich wieder von ganz vorne anfangen. Mich Schritt für Schritt vor hangeln. Immer wieder mehr Rohes als Beilage, darauf achten wieder in Verbindung mit meinem Körper zu essen und mich nicht allzu sehr ablenken zu lassen, während ich esse, damit ich langsam und bewusst mein Essen genießen kann.

Für all die, die schon einmal die perfekte Ernährung hatten und wegen irgendwelchen Lebensumständen komplett aus der Bahn geworfen sind und es ihnen so erscheint, als müssten sie nochmal komplett von vorne anfangen wieder eine gesunde Ernährung in ihr Leben zu integrieren: Es ist okay.

Und es wird einfacher werden. Es ist nicht so, als ob man wieder komplett bei Null anfängt.

Kopfgebrabbel

Zumindestens geht es mir gerade so. Mein Kopf sagt mir, dass es bestimmt wieder eine Ewigkeit dauern wird bis ich komplett wieder zur Rohkost umgestiegen bin. Und das sagt er nur, weil ich weiß wie lang und steinig der Weg damals war, als ich Schritt für Schritt von einer brotlastigen Kochernährung zur Rohkost gekommen bin. Und er jetzt der Meinung ist, dass es genau so lange wieder dauern wird. Und ihm anscheinend die Motivation dafür fehlt.

Das ist das, was mein Kopf denkt.

Was ich allerdings in mir weiß ist, dass der Weg lang nicht mehr so holprig und steinig sein wird, wie bei meiner ersten Ernährungsumstellung.

Ich weiß, dass ich besser geworden bin. Bewusster im Umgang mit meinen Gewohnheiten. Ich weiß, wann ich esse, weil ich Hunger habe oder wann ich esse, weil ich irgendwelche Emotionen zustopfen will. 
Ich weiß, wenn ich mal wieder viel zu viel gegessen habe und trotzdem nicht aufhören kann.

Und deswegen wird es mir um einiges leichter fallen, wieder zurück zu meiner geliebten Rohkost Ernährung zu kommen.

Aber gerade befinde ich mich wieder im Krieg. Ich kämpfe gegen mich und meinen Kopf. Und dieser Kampf ist einfach nicht zu gewinnen.

Und deswegen schreibe ich. Um es auszusprechen. Und zu lernen mich anzunehmen.

Mich selbst annehmen können

Mich auch in den Zeiten annehmen zu können, in denen ich zutiefst unzufrieden bin mit meiner Ernährung oder schlichtweg mit mir selbst.

Meinen Körper schön und liebenswert zu finden, auch dann wenn er dicker wird.
Zu lernen ihn nicht verändern zu wollen.

Zu lernen mir selbst zu vergeben. Ich gerade nicht die Kraft finde, um mein Ziel zu erreichen. Keine Kraft, um alt eingesessene Verhaltensmuster zu durchbrechen und wieder von vorne anzufangen.

Und es ist okay. Alles ist okay. Und es darf so sein und ich darf unzufrieden sein und ich darf meinen Körper nicht ganz so attraktiv finden wie sonst.
Das alles darf sein.

Weil irgendwo in mir drin weiß ich, dass ich mehr bin als meine Ernährung. Ich mehr bin, als mein Körper. Mehr bin, als meine Gewohnheiten. Mehr bin, als meine Lebensumstände.

Und das was ich bin ein liebenswertes und wunderschönes Wesen ist und für immer bleiben wird.

Und solange ich das sehen kann, ja nicht nur sehen, sondern auch spüren –
solange ich mich selbst noch spüren kann unter all dem Frust und der stellenweise präsenten Selbstverachtung, weiß ich, dass die Welt nicht unter gehen wird von einer etwas schwereren Kim.

Weiß ich, dass ich irgendwann den Sprung schaffen werde meine alten Gewohnheiten zu durchbrechen, die mich immer wieder einholen und die Ernährung für mich finden werde, die jetzt im Moment die beste für mich und meinen Körper ist.

Trust in the process, you guys .. just trust in the fucking process.

Und bis dahin .. vertrau ich meinem Leben, dass es mich dabei unterstützen wird.

Vertrau ich mir, dass ich mich wieder in ein unterstützendes Umfeld begebe, was mir dabei behilflich sein wird.

Vertrau ich meinem Körper, dass er weiß, dass er geliebt und gewertschätzt wird von mir. Auch wenn ich es ihm gerade nicht wirklich durch meine Essensentscheidungen zeige.

Glauben versus Wissen

Aber ich möchte, dass ihr wisst, dass man manchmal schon glaubt, alles zu wissen.

Man glaub zu wissen, wie eine gesunde Ernährung für einen aussieht und schafft es trotzdem nicht.

Man glaubt zu wissen, dass ein bisschen mehr Sport durchaus gut tun würde und rappelt sich trotzdem nicht auf.

Und man die verschiedensten Dinge alle irgendwie theoretisch im Kopf weiß .. aber sie noch nicht so wirklich im Unterbewusstsein und im Körpersystem angekommen sind.

Dass man manchmal Dinge immer und immer wiederholen muss, bis sich das Unterbewusstsein daran erinnert. Der Körper endlich weiß: “Achja. Das bin jetzt wirklich ich. Ich bin ein etwas anderer Mensch. Die neuen gesünderen Gewohnheiten gehören jetzt zu mir und ich darf sie auch behalten. Wow. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schaffen werde.” Und das braucht einfach seine Zeit.

Manchmal hab ich ja echt das Gefühl, dass ich mich selbst davon überzeugen muss, in der Lage zu sein, mich gesund und rohköstlich zu ernähren. Dass ich es mir selbst manchmal noch nicht so recht zutraue eine so gesunde Ernährung zu haben, weil ich einfach nie die Person war, die so extrem gesund gelebt hat. Obwohl ich schon letzten Sommer mich ausschließlich roh ernährt habe. Und trotzdem ist dieser Teil in mir neu und unbekannt. Und es macht mir Angst.
Es macht meinem Ego Angst. Weil wer bin ich, die auf einmal eine so blitzeblanke Ernährung hat?
Kann ich wirklich eine Frau sein, die ihren Körper so sehr wertschätzt und regelmäßig Yoga macht und einen achtsamen und liebevollen Umgang mit ihm pflegt.

Das war ich doch sonst noch nie.

Das liebe Ego.

Mein Ego hat Angst diese Identität zu verlieren, die ich mir irgendwann aufgebaut habe. Die Identität von einer Kim, die sich nicht zum Ausdauersport motivieren kann. Für die joggen, die Katastrophe schlechthin ist. Und diese Identität beinhaltet eben keine rohvegane Ernährung.

Deswegen die Angst.

Und nochmal die Frage von meinem Ego: Wer bin ich dann?

Und gerade wollte ich noch schreiben, dass mein Ego wahrscheinlich Schiss hat sich eine Identität als Rohveganerin zuzulegen. Weil das würde ja heißen, ich darf nichts mehr gekochtes essen. Und müsste immer eine 1A Vorzeige Ernährung haben.

Aber es ist nicht mein Ego, das sich vor einer weiteren Identität fürchtet.

Es ist meine Seele, die Angst hat nicht gehört und gesehen zu werden. Die Angst hat vor den Zwängen der Identifizierung. Die Angst hat nicht mehr so frei zu sein, wie sie gerade ist.

Dass ich nicht mehr in der Lage bin mein wahres Wesen zu sehen, wenn ich in den Spiegel guck, sondern nur noch „Kim – die Rohköstlerin.“ oder “Kim – die ganzheitlich gesunde Yoga-Praktizierende”.

Es fühlt sich so an, als wäre dann kein Platz mehr für eine “Kim – die völlig am Boden liegt.” oder eine “Kim – die ihr Leben und ihre Ernährung nicht in den Griff bekommt.”

Aber diese Teile gehören auch zu mir. Sie sind ein Teil von mir. Und ich möchte, dass ich ihnen Raum gebe und Erlaubnis gebe, da zu sein. Damit ich nicht ständig gegen diese Teile von mir ankämpfe, sondern lerne sie anzunehmen.

Seit nun über einem Jahr gebe ich mein Bestes mich in keine Box mehr stecken zu lassen. Bin keine Studentin. Hab keinen Beruf. Kein Label. Und ich werde weiterhin nur das Beste geben, um mich auch ja nicht selbst in irgendeine fein ausgedachte Ernährungsbox zu stecken.

Ja – wahrscheinlich werde ich überwiegend wieder nur roh essen. Aber es wird auch Zeiten geben, in denen ich nicht mehr roh esse. In denen ich mich von Schokolade und Brötchen ernähren werde.
In denen ich emotionale Fressattacken bekomme und die ganze Ernährungswelt verfluchen werde.

Und das is gut so. Und soll so sein.
Zumindestens in meinem Leben.
Weil ich nicht meine Zeit damit verbringen will mich jedes mal mies zu fühlen, wenn ich mich außerhalb einer Box bewege.

Andere Wege der Selbstliebe

Dieser Text gleicht einer Einladung quasi.

Für die Zeiten, in denen du Selbstliebe und Wertschätzung zwar nicht in deinem Verhalten und Entscheidungen gegenüber deinem Körper zeigen kannst. Es aber dennoch zahlreiche Möglichkeiten gibt, deinen Körper auch dann noch wertzuschätzen, wenn die Ernährung gerade mal nicht so rund läuft.

Deinen etwas dicker gewordenen Bauch sanfte zu streicheln, sich bei ihm zu entschuldigen und ihm zu sagen, dass du ihn trotzdem lieb hast.

In dich zu gehen und dich wieder zu spüren. Dich wieder mit deinem Körper zu verbinden, als Zeichen deiner Freundschaft.

Und dich so anzunehmen, wie du gerade bist. Ganz egal, in welchem Zustand du dich gerade befindest.

 

Ich drück dich herzlich,

Kaiya Morris

He du! Ich bin Kaiya. Mein ganzes Leben lang war ich hungrig. Ich konnte 3 überdimensional große Spaghetti Portionen verdrücken und war danach immer noch nicht satt und zufrieden. Heute weiß ich, dass es mein Hunger nach Leben war, der mich immer wieder zum Kühlschrank führte. Und deswegen bin ich hier: Um dich dabei zu unterstützen, wie du dir ein Leben aufbaust, das dich auf allen Ebenen nährt und sättigt. Ich freu mich, wenn du Teil meiner SISTERHOOD Community wirst.

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