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(vorab: Über Attraktionen zu reden, ist was anderes, als Attraktionen nachzugehen und sie auszuleben. Nur weil ihr als Paar anfangt darüber zu reden, heißt das nicht, dass die Beziehung auf der Stelle geöffnet wird. Das passiert dann, wenn beide sich damit sicher fühlen und eine gemeinsame Entscheidung getroffen wird.)  

Die allerwichtigste Fähigkeit für eine offene Beziehung ist die Regulierungsfähigkeit von beiden Partner*innen. Und am besten können wir uns regulieren, wenn wir sicher gebunden sind. Das war schon so, als wir Kinder waren und ist es auch immer noch.

Konkret heißt das: Ihr braucht eine sichere Base (engl.) miteinander. Wenn’s keine sichere Base gibt, dann wird eure Beziehung höchstwahrscheinlich ziemlich durchgeschüttelt werden, sobald das Thema Attraktionen und eine mögliche Öffnung der Beziehung stärker anklopft.

Wenn du dich mit deinem Partner*in sicher gebunden fühlst, dann wird eure Beziehung mehr tragen können, als wenn ihr euch nicht sicher miteinander fühlt.

Anzeichen für eine sicher gebundene Beziehungen können z.B sein:

  • gemeinsame Ausrichtung für die Zukunft, gemeinsame Pläne und ein tiefes Vertrauen von „Wir sind es füreinander und wollen einen langen, gemeinsamen Weg miteinander gehen, der in eine ähnliche Richtung geht.“
  • gegenseitiges großes Einfühlungsvermögen (ihr könnt euch gut zuhören; auch über Reaktionen hinweg, habt ihr Verständnis für die Bedürfnisse des anderen und könnt diese erstmal gut da sein lassen)
  • beide können entspannt im Alltag wirken und ihren jeweiligen Träumen und Visionen folgen, ohne ständig anhaltenden größeren emotionalen Schwankungen und Streitigkeiten ausgesetzt zu sein
  • ihr habt euch aufeinander eingelassen und seid füreinander committed. Die Gesundheit und euer Wohlergehen innerhalb der Beziehung steht an erster Stelle.

Wenn es diesen Grundboden gibt, dann heißt das nicht automatisch, dass es easy-peasy sein wird über Attraktionen zu reden. Hier sind ein paar Dinge, die ihr beachten könnt, um es einen ticken leichter zu machen. Für euch und eure Nervensysteme.

  1. Wähle den richtigen Zeitpunkt

Dein Partner*in kommt von einer stressigen Arbeitsschicht oder macht gerade eine kleine persönliche Krise durch? Not the right time yet. Egal wie sehr es brennt und du dir vorgenommen hast, unbedingt heute Abend endlich mal darüber zu reden: Es wird ein anderer Moment kommen, der besser passt. Den kannst du auch bewusst kreieren. Zum Beispiel kannst du deine*n Partner*in auf einen Spaziergang einladen, um gemeinsam auf eure Beziehung zu schauen. Grundsätzlich können solche Gespräche viel entspannter verlaufen, wenn sie in einem Raum stattfinden, wo ihr beide euch miteinander verbunden und sicher fühlt. Nicht wenn ihr gerade eh schon eine wacklige Zeit miteinander habt.

2) Achtet auf eure non-verbale Kommunikation

Strahlst du Ruhe und Gelassenheit aus oder machst du dir selber in die Hosen und bist voller Anspannung, weil du Angst vor der Reaktion deiner* Partner*in hast, wenn du das Thema aufmachst?

Das Gespräch hat schon angefangen, bevor ihr das erste Wort miteinander geredet habt.

Unsere Körper reden miteinander. In Form von Mimik, Anspannung, ja sogar unser Schweißgeruch vermittelt eine bestimmte Botschaft: Ob ich gestresst bin oder nicht.

Und ich weiß noch genau den ängstlichen Blick in den Augen meines Partners, wenn er mal wieder mit mir über das Thema “Anziehung” reden wollte. Und wie stark mein Körper auf seine Angst und Anspannung ebenso mit Anspannung und nervösem Zittern reagiert hat.

Wenn es die ersten Gespräche dieser Art sind, gehört ein bisschen Aufregung natürlich dazu. Aber du kannst trotzdem darauf achten, dass du möglichst viel Entspannung und Vertrauen in euch als Paar mitbringst.

Ein Gespräch kann eine komplett andere Richtung nehmen, wenn ihr euch eine schöne Atmosphäre kreiert, Kerzenlicht und eingekuschelt auf der Coach liegt. Das schafft Vertrauen und unterstützt euch in eurer Mitte zu bleiben, auch bei heiklen Gesprächspassagen.

3) Was ist eure Motivation für eine offene Beziehung

Es lohnt sich auch mal über die jeweiligen Motivationen zu sprechen. Einfach mal die Frage in den Raum zu stellen: Warum willst du eigentlich eine offene Beziehung?

Antworten wie „Weil ich Angst habe, dass es mir langweilig oder zu eng wird“ unterscheiden sich mächtig von einem geteilten Weltbild, wo Attraktionen und der sexuelle Trieb als normaler Bestandteil unserer menschlichen Natur gewertschätzt werden und die gemeinsame Entscheidung ihm einen angemessenen Platz in diesem Leben zu geben. Und nicht so zu tun, als gäbe es ihn nicht und ihn solange zu unterdrücken, bis er sich in Form von Untreue oder schlecht kommunizierten Seitensprüngen dann doch zeigt.

4) Den Container setten (& SOS Plan für wenn’s nicht so gut läuft)

Struktur ist sexy. Und kann eurer Beziehung und vor allem schwierigen Beziehungsgesprächen enorm gut tun.

Nehmt euch die Zeit, um vorher Klarheit reinzubekommen in welche Richtung das Gespräch laufen soll. Was ist eure gemeinsame Absicht? Welche Art von Gespräch wollt ihr führen? Ist es ein Zwiegespräch? Ein emotionaler Entladungsraum?

Wir haben gute Erfahrung damit gemacht, den Timer auf jeweils 5-10min. zu stellen oder auch mal länger und sich dann gegenseitig zuzuhören. Jeder bekommt die gleiche Anzahl an Minuten. Es wird nicht aufeinander reagiert oder geantwortet. Die Struktur hilft einem, nicht sofort in einem Ping-Pong-hin-und-her an Reaktionen zu enden.

Trotzdem ist der entscheidende Punkt, wie ihr aus dem Gespräch auseinandergeht. Selbst mit der tollsten Vorbereitung, werden sehr wahrscheinlich manche Gespräche nicht nach eurer Vorstellungen verlaufen. Ihr verhakt euch eins nach dem anderen und einer oder beide werden in so großen Themen angetriggert, dass ihr es nicht mehr in eine schöne, liebevolle Verbindung zurück schafft.

Das ist okay. Solange euer Commitment stark genug ist, eure Verbindung immer wieder zu erneuern und ihr darauf vertrauen könnt, dass keiner von euch beiden einfach so geht und den*die andere*n stehen lässt, ist es manchmal sogar gut für eine (am besten ausgemachte) Zeit auseinanderzugehen und sich um sich und die emotionalen Wellen alleine oder mit Hilfe von anderen zu kümmern.

Mein Partner und ich hatten zu Beginn unserer Beziehung viele solcher schwierigen Gespräche. Vorzugsweise natürlich abends vor dem schlafen gehen, wo nicht wirklich genug Präsenz und Kraft da war, um der Art Gespräche zu führen. Ich war dann meistens so aktiviert, dass ich nicht mehr neben ihm schlafen konnte und wir uns für die Nacht räumlich trennen mussten. Das war nicht weiter schlimm, weil wir immer wussten: Spätestens am nächsten Vormittag oder Mittag checken wir miteinander ein und versuchen es wieder gut zu machen.

Also: Dran bleiben. Vorgegebene Strukturen können sehr hilfreich sein, sind aber auch nicht das Allheilmittel.

Das für mich wichtigste Tool kommt jetzt:

5) Containment

Containment ist eine Praxis des „sich zurücknehmen“. Dein Gegenüber wird im Verlaufe eures Prozesses Sätze sagen, die dich innerlich explodieren lassen. Es ist eine Kunst, die viele Stunden Übung braucht, um in solchen Moment weiterzuatmen, ruhig zu bleiben und dem Drang zu reagieren nicht zu folgen. Containment ist nicht zu verwechseln mit „runterschlucken“, auch wenn es sich im ersten Moment vielleicht so anfühlt. Containment ist ein konstruktiver Umgang mit emotionalen Reaktionen. Es ist eine reife Art und Weise zu erkennen, dass dein Partner nicht verantwortlich ist für das Auslösen von starken Reaktionen in dir und du diese, mit den einhergehenden körperlichen Empfindungen, in dir halten kannst. Es ist ein radikaler Schritt hin die Verantwortung für deine Wunden und deinen Schmerz ganz zu dir zu nehmen.

Und ja, ich weiß, wie unmöglich sich das manchmal anfühlt. Und auch wenn der*die Partner*in wirkliche große Ladungen in einen aufgeweckt hat und alles in einem davon überzeugt ist, dass der*die Partner*in Schuld daran ist und es so nicht sein darf.

Gerade in solchen Momenten, hast du die schöne Aufgabe, dich selbst halten zu lernen. Mit allem was da ist, mit aller Intensität und mit allem Schmerz und Leiden, was hochgespült wird. Nur diesmal machst du die Erfahrung, dass du da bleiben und es halten kannst. Das ist Containment. Eines der für mich wichtigsten Beziehungs (-und Lebens)skills überhaupt.

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Ich hoffe diese Übersicht hat dir ein bisschen geholfen mit mehr Selbstvertrauen schwierige Beziehungsgespräche, wie Gespräche über Attraktionen zu anderen nun mal sein können, anzugehen.

Für mich hat es sich so ergeben, dass es wirklich mit der Zeit leichter wurde. Die ersten Gespräche waren der Horror. Mein Nervensystem und mein Körper sind in kürzester Zeit abgekackt und ich war so dysreguliert, dass ich keine Chance hatte mich nach so einem Gespräch sicherer und verbundener mit meinem Partner zu fühlen.

Aber mit dem tieferen Einlassensprozess, den wir in unserer Partnerschaft gemacht haben und mit dem Ankündigen unserer Tochter, wurde alles ein Stück weit leichter. Einfach weil ich und die tiefsten Schichten in mir wussten: Dieser Mann liebt mich. Er wird mich nicht verlassen und hat vor lange lange Zeit an meiner Seite zu bleiben. Attraktionen zu anderen hin oder her.

Und diese Information hab ich gebraucht, um mich entspannen zu können. Um nicht jedes Mal in meiner Verlassenheitswunde aktiviert zu werden und die ganze Beziehung in Frage zu stellen, sobald wir über Attraktionen geredet haben.

Also,

ich wünsch dir und euch alles Gute. Seid sanft und respektvoll zueinander. Seht das Schöne in eurem Gegenüber und habt Mitgefühl mit euch an den Stellen, die sich jetzt vielleicht noch schwierig anfühlen, in einer nicht allzu langen Zeit, sich aber auch ganz natürlich und leicht anfühlen können.

Auf euch und eure Liebe,

Kaiya

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2020-09-04T20:05:49+00:00