ARTIKEL BEITRAGSBILD STANDARTGRÖßE-4

Das schönste Jahr meines Lebens

Ich bin gerade dabei das schönste Jahr meines Lebens abzuschließen.

In einer Woche hab ich Geburtstag. Und auch wenn ich nicht weiß, wie ich ihn verbringen werde -ob ich zu Freunden fahre oder ihn ganz bewusst alleine verbringe, um Zeit zum reflektieren zu haben – bin ich mir jetzt schon gewiss genug zu sagen: Es war ein schönes Jahr. Trotz aller Tränen, trotz aller Schmerzen. Trotz aller Wut, die ich in mir getragen habe.

Dieses Jahr hab ich geweint. Noch nie hab ich in meinem Leben so viel geweint. Aber auch muss ich dazu sagen: Nie war ich in meinem Leben so glücklich, so erfüllt, so lebendig.

“Tränen sind eine Begleiterscheinung des Loslassen”, sagte mir einst ein weiser Mann.

Und scheiße man, hab ich viel losgelassen.
Es fühlt sich so an, als hätte ich in diesem Jahr all das losgelassen, was ich nicht bin. All das, was ich jahrelang mit mir rumgetragen habe, als Ballast empfunden habe .. es ist weg. Vereinzelt sind noch ein paar Überreste da, aber ansonsten ..

Ich fühle mich leichter, luftiger, reiner.

Ja, ich fühl mich irgendwie mehr nach mir an.

Das, was ich wirklich bin. Ich habe so unglaublich viele verlorene Seiten in mir wiederentdeckt.

Was mir gerade als erstes in den Kopf kommt, ist diese unglaubliche weibliche Seite in mir.

Eine so weiche, zarte und zerbrechliche Kim. Eine hingebungsvolle Kim.

Es sind Seiten, die mir bis dato noch unbekannt waren.

Nie hab ich mich so mit meiner weiblichen Seite verbunden gefühlt. Immer war ich so hart und verkopft. Habe meinem Verstand mehr vertraut, als meinen Gefühlen, meiner Intuition und Impulsen.

Dann gibt es da noch die kreative Seite in mir, die ich wiederentdeckt habe. Eine, die sich einfach nur traut mal anzufangen, die sich traut, sich ihren eigenen Urteilen zu stellen und ihren inneren Kritiker mal nicht so viel Beachtung zu schenken.

Wie hat einer mal so schön gesagt: “Das angssteinflössenste an der Kreativität ist das Anfangen an sich.”

Und es stimmt. Einfach mal anzufangen.
Das Werkzeug endlich mal in die Hand zu nehmen und meine erste Holzskulptur zu schnitzen.
Ohne irgendeinen Erfolg damit haben zu müssen oder mich mit der Frage zu plagen, ob ich evtl. das zu meinem Beruf machen könnte oder doch was anderes oder oder oder ..

Sondern einfach nur machen. Und ausprobieren.

In diesem Jahr hab ich unendlich viel gelernt.

Viel über Menschen, viel über unsere Erde, aber vor allen Dingen viel über mich selbst.

Ich hab gelernt zu fühlen.
Meine Emotionen nicht mehr wegzudrücken aus Angst „zu emotional“ zu sein, sondern mich ihnen bewusst hinzugeben. Anfangen zu weinen, auch wenn es gerade als unpassend erscheint. Anfangen zu singen und meine Freude auszudrücken, während ich in der U-Bahn sitze auf dem Rückweg von einer grandiosen durchgetanzten Nacht.

Dieses Jahr bin ich laut geworden. 
Es fühlt sich so an, als ob ich meine Stimme wieder gefunden habe. Als ob ich endlich einen Platz in dieser Welt eingenommen habe, der mir schon längst zusteht. Ohne die Angst haben zu müssen, irgendjemand anderen seinen Platz zu nehmen. Oder jemanden mit meiner Größe zu überfahren.

Das hier bin ich.

Und auch wenn es manchmal Zeiten gibt, in denen ich noch daran zweifle: Aber ich hab einen Platz auf dieser Welt. Und es gibt ein Grund, warum ich hier bin.

Dieses Jahr bin ich meine ersten zarten Schritte gelaufen. Hab mich frei geschaufelt von allen anderen. Frei gemacht von Vorstellungen, wie mein Leben auszusehen hat.
Frei gemacht von dem Wunsch immer zu wissen, wolang es geht. Die Richtung zu kennen.

Ich hab etwas anderes in mir gefunden. Ein Vertrauen in mein Leben, in mich.
Etwas, das mir ermöglicht mich hinzugeben. All das anzunehmen, was in meinem Leben passiert. Und ein urtiefes Gottvertrauen, dass mir das Gefühl gibt: Egal, wo ich bin. Hier bin ich richtig.

Ich werde von etwas Größerem getragen. Ich werde in den Armen gehalten und jemand sorgt sich um mich.

Und heute nehme ich mir bewusst die Zeit genau in dieses Gefühl reinzuspüren. Das Gefühl verliebt zu sein. Verliebt in die Menschen, die mein Leben so unglaublich bereichert haben in den letzten Monaten.
Verliebt in mich und meinen Körper. Und gerade jetzt, wo ich wieder ein bisschen auf Kriegsfuss mit meiner Ernährung und dementsprechend auch mit meinem minimalen Bauchansatz stehe.

Und zu guter letzt verliebt in mein Leben zu sein. Immer wieder überrascht zu werde, wohin es mich führt, an welche Orte es mich bringt und welche Menschen es in mein Leben einlädt.

Lange Zeit hab ich diesen Fluss in mir selbst blockiert. Ich hab gedacht, dass wenn ich einmal anfange zu weinen, ich nicht mehr aufhören könnte. Ich so viel Schmerz und Trauer in mir finde, vorallem auf die Tatsache ohne Vater aufgewachsen zu sein und als kleines Kind schon eine so große Ablehnung in meinem Leben erfahren zu haben, dass mich der Fluss meiner Tränen ertränken wird.

Aber genau dieser Fluss ist mein Lebensfluss.

Seitdem ich die Dämme eingerissen habe und mich bewusst meinen Tränen gestellt habe, hat mein Leben wieder angefangen zu fließen.

Und ich glaube daran, dass wir uns entscheiden können.

Lässt du dich von dem Fluss ertränken oder hast du Angst ihn überhaupt fließen zu lassen? Oder gibst du dich dem Fluss hin, lässt dich mitreißen und guckst, wohin dich die Strömung zieht?

Und ausnahmsweise kann ich in diesem Kontext mal schreiben: Es ist einfacher mit der Strömung seiner Gefühle zu gehen, als dagegen anzukämpfen.

Lass dich tragen.
Hinein in all die unbekannten Gewässer.
Steig in deine Tiefen ein und lass dich auf all das ein, was du in dir vor findest.
Lass dich überraschen.
Du wirst Dinge finden, die schon längst in Vergessenheit geraten sind. Dinge, an die du dich eigentlich gar nicht mehr erinnern wolltest.

Aber was auch immer du in dir findest: Sei dir gewiss, dass es ein Teil von dir ist. Es eine einzigartige Schönheit in sich trägt und dein Leben bereichern wird.

Manchmal hab ich Dinge gefunden, die ich erst nicht annehmen wollte. Ich wollte nicht, dass sie zu mir gehören, weil ich sie als so abstoßend und hässlich empfunden habe. Aber sie gehören zu mir. Und je länger ich sie betrachtet habe, desto leichter ist es mir gefallen auch die schönen Seiten in ihnen zu erkennen.

Aber irgendwann wirst du vielleicht auch merken, dass das Wasser von dem du dich hast tragen lassen nicht mehr aus Tränen des Schmerzes besteht, sondern es Tränen der Freude, des Glücks – ja, es Tränen als Ausdruck deiner Lebendigkeit sind.

Lass los von dem Verlangen dein Leben zu kontrollieren.
Lass den Versuch los, deine Gefühle „in Griff zu kriegen“.

Und dann tauche ein in dein Leben voller Höhen und Tiefen. Voller ruhiger Gewässer und sprodelnden Strömungen. Und genieße es. Geniesse es, dich vom Fluss deines Lebens tragen zu lassen, wo immer hin er dich tragen wird.

Ich wünsch dir eine gute Reise,

Du bist mehr als dein Leid, so viel mehr.

. Nicht die Beziehung ist gerade dafür verantwortlich, dass es mir schlecht geht. Sondern mein Trauma und meine Wunden, die sowieso schon in mir waren. Nicht der Mensch, mit dem ich gerade bin, [...]

2017-06-09T14:23:30+00:00
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