wie-du-mehr-bei-dir-bleibst

by Kim Schubert // 22. November 2016

Ich stehe mal wieder vor meinem Kleiderschrank. Statt der engen dunkelblauen Jeans, greif ich zur hellen Boyfriend. Dazu passt dann natürlich nicht das Flatter-Oberteil, das ich eigentlich anziehen wollte. Also greife ich nochmal rein und ziehe einen anderen Fummel raus. Passt zwar gut zur Hose, aber so wirklich Bock hab ich nicht drauf.

Klare Sache: The struggle is real.

Nachdem ich dann die Hälfte meiner ordentlich zusammengefalteten Oberteile rausgezogen und ganz bestimmt nicht wieder ordentlich eingeräumt habe, geb ich mich mit dem Anfangsoutfit zufrieden.

Das ganze Prozedere kann schonmal gut und gerne 20 Minuten in Anspruch nehmen. Vorallem wenn man weiß, dass der Exfreund heute Abend vor hat zur gleichen Veranstaltung zu gehen und es das erste Mal seit längerer Zeit ist, dass man sich wiedersieht.

Langsam wird’s öde ..

Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich gefallen will. Auf der ewigen Suche bin nach Bestätigung von außen.

Gedanken wie: „Aber ich will doch, dass er sieht wie wunderschön ich bin und dass er sich auch ja ärgert, dass ich ihm durch die Lappen gegangen bin“.

Gedanken, die – wenn ich mir ihnen erstmal bewusst geworden bin- mich erschrecken und manchmal zutiefst traurig machen, dass sie immernoch in mir zu finden sind.

Warum muss ich immer wieder mich beweisen wollen? Meinen Wert unterstreichen müssen. Warum gehe ich immer wieder in diesen Kampf mit mir selbst, der doch eigentlich ganz leicht zu lösen wäre, indem ich mich und alles was ich bin einfach annehme?

Aber nein – hauptsache mein Umfeld soll mir meine fehlende Akzeptanz gegenüber mir selbst spiegeln. Hauptsache mein Außen bestätigt mir meinen Wert, weil ich ja anscheinend immer noch nicht in der Lage bin, ihn mir selbst zu geben.

Hauptsache ich versuche all das im Außen zu finden, was es doch eigentlich nur in mir zu finden gibt.

Wonach suchst du eigentlich?

Im Außen finde ich keinen Halt. Alles verändert sich so schnell. So schnell kann ich gar nicht gucken, ist schon wieder alles anders.

Umso wichtiger ist es, dass wir lernen immer mehr den Halt in uns zu finden. Immer mehr bei uns zu bleiben und in uns das zu finden, was wir im Außen suchen. Sei es Bestätigung, Akzeptanz oder Liebe.

Der erste Schritt wird also immer der sein, dir darüber bewusst zu werden, wann du gerade ins Außen abrutschst. Ab dem Zeitpunkt kannst du dann gucken, wie es weitergehen soll. Willst du noch mehr Zeit damit verplempern dir Gedanken darüber zu machen, was andere Leute von dir denken werden oder bist du bereit endlich aus dem Kreis auszusteigen und neue Strategien für dich zu finden? Strategien, die dich dabei unterstützen wieder mehr zu dir zu kommen und dein Leben von innen nach außen zu leben. Und nicht anders rum.

Hier sind meine Top 5, die sich nach einigem rumexperimentieren rausgefiltert haben und die ich als meine ganz persönlichen kleinen Ankerpunkte empfinde, an denen ich mich an schlechten Tagen festhalten kann.

 

1) Den Stopp-Knopf drücken

Pause. Mitten in der Bewegung innehalten und alles stehen und liegen lassen. Den Kleiderbügel wieder zurückhängen und einmal tief durchatmen.

Immer wenn ich merke, dass ich mich gerade voll in einen Gedankenstrudel begebe, der aus „Was wäre, wenn“-Bildern besteht und anfange Dinge zu analysieren, die noch gar nicht eingetreten sind und die wahrscheinlich auch nie eintreten werden oder sonstigen Quatsch mache – einfach mal kurz ne’ Pause einschieben.

Mich ganz bewusst auf’s Bett setzen. Vielleicht einmal kopfüber zu den Zehen greifen. Oder den Kopf schütteln als Geste des Loslassens der Gedanken. Mit jedem Schütteln einen Gedanken sozusagen „abschütteln“ und ein paar Mal tief einatmen.

Manchmal braucht es einen physischen Stopp, also dass du deinen Körper zum Innehalten bringst, damit das Gedankenrad sich aufhört im Kreis zu drehen und du leichter aussteigen kannst.

 

2) Spiegel-Meditation

Meine Lieblingsstrategie.
So lange in den Spiegel zu gucken bis ich mich selbst wieder ganz klar spüren kann. Mich auf nichts anderes zu konzentrieren, als auf meine Augen und damit wieder einen Blick und Kontakt herstellen kann zu meiner eigenen Seele.

Ich will wissen, wer ich wirklich bin. Und ich will mich sehen können. Es gibt nichts schöneres, als durch deine eigenen Augen dein eigenes Wesen plötzlich wiederzusehen und deine eigene Schönheit dich unerwartet umhaut.

Oft mache ich diese kleine Spiegel-Meditation bevor ich ausgehe. Es ist meine eigene Erinnerung, dass auch wenn ich mich gerade zurecht gemacht habe und mich äußerlich auch schön finde, dass es etwas noch viel wichtigeres und tieferes in mir gibt. Etwas, das noch so viel schöner ist, als mein Äußeres. Etwas, das sich danach sehnt gesehen zu werden. Sowohl von mir, als auch von anderen.

Weil seien wir mal ehrlich. Wir wollen nicht länger wirklich für unser äußeres Komplimente bekommen. Wir wollen gesehen werden. An diesen ganz wunden und verletzlichen Punkten in uns.

Manchmal dauert es länger bis ich mich so tief spüren kann. Manchmal kommen mir dabei auch die Tränen.

Und manchmal kann es aber auch ganz schnell gehen und ich weiß wieder, worauf es eigentlich drauf ankommt.

 

3) Von innen nach außen leben

Es ist eine Übung, der ich nun auch schon seit längerer Zeit nachgehe. Und zwar fängt sie morgens direkt nach dem Aufstehen an und hängt auch mit der Kleiderwahl zusammen.

Ich versuche mir den Moment zu nehmen und in mich reinzuspüren. Nach was fühle ich mich heute wirklich? Fühle ich Weite in mir? Die Sehnsucht nach Freiheit? Wenn ja, wie kann ich dem Ausdruck geben durch meine Kleiderwahl?

Vor einiger Zeit habe ich mir die Zeit für einen kleinen Trip durch die Secondhand Läden Berlins genommen, um meine Garderobe mit locker luftigen Sachen aufzustocken. Ich habe gemerkt, dass ich mich eingeschränkt gefühlt habe in meiner Auswahl mich nach meinem Gefühl zu kleiden.

Und manchmal gibt es auch Tage, wo ich mich nach einem Schutz sehne. Wo ich gerne ganz viele Lagen übereinander tragen möchte. Nicht um mich zu verbergen, sondern weil ich weiß, dass ich gerade für mich sorge. Dass ich mir meiner Verletzlichkeit, die ich gerade in mir trage, bewusst bin und nicht noch mehr mit meinem offenen Herzen in versteckte Messer rennen möchte.

Ich mag es meinem Gefühl mehr Ausdruck zu schenken.
Auch war für mich meine Kleiderwahl schon immer Teil meiner gelebten Kreativität. Was uns auch schon zu meinem 4. Anker bringt:

 

4) Kreativ werden

„Wo der Fokus ist, folgt die Energie.“

Vorallem in stürmischen Zeiten, wenn ich es -komme was wolle- nicht schaffe zu mir selbst zu kommen und mich total durchgewirbelt fühle, greife ich zu meinen Handarbeits- oder Malsachen. Erstmal komplett in eine andere Welt eintauchen. Mich auf eine komplett andere Sache fokussieren und damit den Fokus vom Problem nehmen. Manchmal ist auch einfach das Leben an sich das Problem. Also suche ich mir Möglichkeiten, wie ich einfach mal für eine kurze Zeit nicht am Leben teilhaben muss. Abschalten. Runterkommen.

„Da wo der Fokus ist, fließen auch die Energien hin.“ – Was bedeutet das genau?

Viel zu oft habe ich versucht ein Problem zu lösen, indem ich mir den Kopf darüber zerbrochen habe und mich so auf das Problem fokussiert habe, bzw. die Lösung des Problems.
Du kannst dir das Problem als ein Feuer vorstellen, das gerade Flammen schlägt. Fang ich an mich jetzt nur noch auf das Problem zu fokussieren, folgen sozusagen die Energien ganz von alleine dem Fokus und ich werfe damit ungewollt dem Feuer nur noch mehr Brennholz zu. Dadurch wird das Feuer immer größer und somit erscheint das Problem auch viel größer, als es in Wahrheit ist.

Probleme – welcher Art auch immer- können nicht auf der Ebene gelöst werden, auf der sie entstanden sind. D.h. meistens wirkt es Wunder, wenn du dich erstmal komplett von dem Problem distanzierst, du dich auf einen ganz anderen Lebensbereich fokussierst und du das Feuer währenddessen leise vor sich hin abbrennnen lässt.

 

5) In deinen Körper kommen

Kurze Yoga Sequenzen, Meditation, auspowern, tanzen, schütteln – was auch immer dich darin unterstützt vom Kopf wieder zurück in deinen Körper zu kommen.

Körperarbeit wird dich immer wieder darin unterstützen von außen wieder nach innen zu kommen.

Nimm dir zeit, um nach der Aktivität nachzuspüren. Was hat sich bewegt? Wie fühlt sich dein zu Hause gerade an? Wo pocht es? Wo ist es immer noch angespannt? Wo findest du den größten Resonanzpunkt mit den universellen Energien? Wo kann die Energie frei fließen? Wo fühlt sie sich blockiert an?

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Ich weiß. Diese Weisheit vom kleinen Prinzen ist abgelutscht bis zum geht nicht mehr. Aber wüsste ich nicht aus meinem eigenen Leben, wie schwer es ist diesen kurzen Satz auch wirklich ZU LEBEN und nicht nur mit dem Kopf zu verstehen., dann würde ich ihn nicht benutzen. Und ich finde es ist allerhöchste Eisenbahn diesen Satz zum Leben zu erwecken, meinst du nicht?

Und wenn es eins ist, was ich mir für dich wünsche, dann ist es, dass du dich immer wieder an deine eigene Schönheit erinnerst. Nicht die Schönheit, die von außen zu sehen ist. Sondern genau die, die dein Wesen strahlen lässt. Die Schönheit, die durch das Funkeln deiner Augen scheint. Und die andere nur dann sehen können, wenn sie ihrer eigenen Schönheit schon begegnet sind.

Und was mir auch noch am Herzen liegt: Lasst uns geduldiger mit uns sein. Lasst uns nicht immer so selbst verurteilen, wenn wir uns dann doch mal wieder Gedanken über den Ex machen und wir einfach nur gefallen wollen. Na und. Dann sind wir eben mal kurz im Außen und schweifen ab.

Wichtig ist doch nur, dass wir immer wieder den Weg zu uns zurückfinden. Und unsere eigene Stimme auch in den Zeiten hören können, in denen alles um uns herum viel zu laut ist.

Ein gutes Gelingen wünsch ich dir auf deinem Weg von Außen nach Innen,

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Ich hoffe, dass du was daraus mitnehmen konntest. Lass es mich wissen und verrate mir und anderen Lesern gerne deine eigenen Strategien, die du für dich entwickelt hast 🙂

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Bist du bereit für mehr Intimität und Echtheit?

Falls ja, dann komm in meine SISTERHOOD Gruppe und lese exklusive Texte von mir, die nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt sind.

Ja! Ich bin bereit.
2017-06-09T14:12:34+00:00
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