Über Sex, Rumvögelei und die Kunst der Geschlechterliebe

Wo ist der Unterschied zwischen Freier Liebe und wilder Rumvögelei?
 
Was tun, wenn ich in den gleichen Mann verliebt bin, wie meine Freundin?
 
Wie will ich meine Sexualität erleben? Wie gehe ich mit meinen Unischerheiten um? Wie zur Hölle bekomm ich überhaupt erstmal meinen Mund auf, um wirklich klar zu kommunizieren, was ich überhaupt gerne will? Wie ich gerne berührt werden möchte?
 
Ohne Mist .. aber ich kann noch so selbstbewusst und stark auftreten .. wenn es um das Thema Sex und wirklich echter Kommunikation im Bett geht, fühl ich mich wie ein kleiner ängstlicher Hase, der sich in die Hosen scheißt.
 
Aber weißt du was das Schöne ist?
 
Das 99,999999% sich genau so fühlen.
 
Egal ob Männer oder Frauen. Wir haben alle unsere Unsicherheiten.
Ich glaube, dass ist auch der Hauptgrund, warum es mir so einfach fällt, darüber zu schreiben. Einfach weil ich weiß, dass jeder einzelne hier in diesem virtuellen Facebook Raum seine Unsicherheiten mit sich rumträgt.
 
Und man könnte ja meinen, dass in einer so sexualisierten und “aufgeklärten” Welt, in der mir an jeder zweiten Plakatwand ein nackter Arsch entgegen gestreckt wird, wenigstens unser Sexleben einigermaßen am laufen ist.
 
Aber ich weiß ja nicht, ob nur ich es bin, die so empfindet .. aber irgendwas läuft hier gehörig falsch.
 
Unglaubwürdige Pornos, die keine Furzgeräusche und glitischige Feuchtigkeiten zeigen,
gestellte romantische Sexszenen in Filmen. die zig mal geprobt worden sind, um so perfekt aussehen zu können ..
 
Kein Wunder, dass diese Erwartungshaltung nicht erfüllt werden kann. Und ich will auch gar nicht wissen, wie viele tatsächlich von sich selbst behaupten würden ein ERFÜLLTES Sexleben zu haben. Nicht so ein Mittelding. Sondern so ein richtig schönes.
 
Da wo sie offen und ehrlich sein können. Wo sie ihre Unsicherheiten in Worte packen können und den Mut finden mitten im Akt innezuhalten und zu sagen: “Du .. ich hab gerade keine Ahnung, was ich hier tue. Ich brauch deine Hilfe.”
 
Da wo sie ihren Phantasien in einem sicheren Raum ausleben können.
 
Und vorallem da, wo Herzen geöffnet werden können. Vertrauen zwischen den Geschlechtern geschaffen wird. Und zwei Menschen sich miteinander in einem heiligen Akt der Liebe verbinden können.
 
Und wenn wir dann mal soweit sind .. vielleicht können wir ja dann mal aufhören immer nur die Schuld im Außen zu suchen. Wer trägt die Schuld an den ganzen sexuellen Übergriffen? An Sexismus im Alltag?
 
Und ganz vielleicht .. nur ganz vielleicht .. sind wir irgendwann soweit und greifen uns selbst an die Nase und finden den Mut, um uns zu fragen:
 
Inwieweit tragen wir eigentlich sexistisches Gedankengut in uns?
 
Wie oft haben wir schon sexistische Gedanken gehabt? Wie oft hatten wir schon Angst vor dem anderen Geschlecht? Aus Angst missbraucht, benutzt zu werden?
Wie oft oder in welchen Situation haben wir Sexismus tatsächlich auch nach außen hin gelebt?
 
Die unangenehmsten Fragen sind meist die wichtigsten Fragen.
 
Und auch die Antworten, die ich in mir bereits gefunden haben, sind nicht immer ganz so schön zu betrachten.
 
Da gibt es einen kleinen Teil in mir, die stellenweise die ganze Gattung “Mann” zutiefst verachtet. Da ist so eine unterschwellige Wut. Gegen all die Männer, die das Heilige in einem Frauenkörper missachtet haben. Gegen all die Männer, die “nur das eine wollen”.
 
Für mich ist es eine große Portion an Arbeit die sexuelle Natur in uns menschen – sowohl in mir, als auch im Mann- zu ehren und wertzuschätzen.
 
Ja, Männer wollen Sex.
Ich will ja schließlich auch Sex.
 
Aber ich muss ja nicht immer gleich denken, dass sie “nur” Sex wollen. Weil damit begebe ich mich automatisch in eine Art “Opferrolle”. Ich objektiviere mich sozusagen selber, mach mich selbst zu einem “sexuellen Objekt”, in dem ich den Gedanken “Männer wollen nur Sex” weiter in mir trage und nähre.
 
Mich allerdings von solchen Gedankenmustern zu lösen und frei zu machen, stellt sich schwieriger raus als gedacht.
 
Solche Gedanken sind stellenweise so tief in mir verwurzelt. So so tief. Sie sitzen fest verankert, irgendwo ganz tief unten in meinem Unterbewusstsein. Und um dorthin zu kommen, muss ich graben. Tief tief graben. Schicht für Schicht ablegen, um den wahren Kern zu sehen, der in mir immernoch dieses Missvertrauen gegenüber Männern aufrechterhält.
 
Irgendwann – möglichst bald, wenn’s geht- da wünsche ich mir eine Welt, in der wir unsere Energien nicht mehr darauf verschwenden, was alles schief läuft, sondern wir uns auf die Suche nach Lösungen machen.
 
In der wir nicht mehr über Sexismus debattieren, sondern in der sich beide Geschlechter wieder frei begegnen können. Wir wieder lernen, was es wirklich heißt den Mann oder die Frau vor mir zu sehen. Sein Wesen zu erkennen und ihm in seinem ganzen lieben zu lernen.
 
Und das beinhaltet eben -oder auch gerade- seine sexuelle Natur.

Bildschirmfoto 2016-04-18 um 17.28.51

Du bist mehr als dein Leid, so viel mehr.

. Nicht die Beziehung ist gerade dafür verantwortlich, dass es mir schlecht geht. Sondern mein Trauma und meine Wunden, die sowieso schon in mir waren. Nicht der Mensch, mit dem ich gerade bin, [...]

2017-06-09T14:16:13+00:00
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